Stecklingsvermehrung
Stecklinge bewurzeln - in Wasser oder Erde?
Viele Leute glauben, weil eine Pflanze im Wasserglas nicht vertrocknen
kann, würde sie dort auch gut bewurzeln.
In der Tat gibt es auch einige besonders robuste Arten, die das tun. Die
meisten Pflanzen aber nicht, u.a. deshalb, weil im Wasserglas eine
wichtige Lebensbedingung der Wurzeln fehlt: Luft. Auch Wurzeln müssen
atmen und die meisten können das nur in Erde, wo normalerweise genug
Luft in den Zwischenräumen enthalten ist. Deshalb wird bei den meisten
Pflanzen auch vor Staunässe gewarnt - die bringt ggf. auch eine gesunde,
voll bewurzelte Pflanze um, nicht nur einen Steckling.
Auch ein Vergleich mit Aquarienpflanzen bietet sich an: Viele davon sind
Sumpfpflanzen, die sowohl über als auch unter Wasser wachsen können.
Über Wasser sind sie meist leichter zu kultivieren, deshalb sind billige
Aquarienpflanzen oft an der Luft gewachsen. Genauso, wie deren Blätter
verfaulen, wenn sie dauerhaft untergetaucht werden, sterben die
Wasserwurzeln der Pflanzen ab, die im Wasserglas gebildet wurden und nun
in Erde umgesetzt werden. Die Sache hat also keinen Zweck und kostet den
Steckling nur Kraft, falls er es überlebt.
Wie macht man es also richtig?
Auf jeden Fall in einem erdähnlichen Substrat. Welches genau richtig
ist, hängt sehr von der speziellen Pflanze ab und kann nicht pauschal
beantwortet werden. Idealerweise ist es steril, muss es aber meist nicht
sein. Anzuchterde oder Torfquelltöpfe sind für viele Pflanzen gut
geeignet.
Der Steckling sollte meistens weder zu jung noch voll ausgehärtet sein,
meistens nimmt man eine Triebspitze mit ca. 3-4 Blattpaaren. Kurz vor
dem Stecken in das Substrat wird er noch einmal unmittelbar unter dem
untersten Blatt(paar) frisch angeschnitten. Das Blatt(paar) ganz unten
kann meist entfernt werden.
Dann wird so gegossen, wie es für die Pflanze normal wäre - Kakteen also
wenig, Fuchsien deutlich mehr. Für viele krautige Pflanzen ist es
günstig, gespannte Luft herzustellen, d.h. für die Anwachsphase ein Glas
oder eine Plastiktüte überzustülpen, damit die Luftfeuchtigkeit gehalten
wird. Hier gilt Augenmaß - man muss drauf achten, dass ggf. nichts fault
oder schimmelt. In dem Fall muss mehr gelüftet werden. Wenn der
Steckling angewachsen ist, erkennt man das meist daran, dass er
weiterwächst. Dann kann immer mehr gelüftet bzw. die Haube ganz entfernt
werden. Häufig gedeihen Stecklinge in der Küche besonders gut, weil dort
die Luftfeuchtigkeit höher ist als im Rest der Wohnung.

Zur Unterstützung der Bewurzelung gibt es auch verschiedene
pulverförmige Hilfsmittel. Diese können im Einzelfall vielleicht
nützlich sein, die allermeisten Stecklinge bewurzeln aber auch völlig
ohne Nachhilfe.
Autor und Foto: Ina Koys
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