Bodenpflege, Düngung
Wer einen Garten sein Eigen nennt, sollte die Beschaffenheit seines Bodens kennen.
Eine Schaufel voller Erde könnte den Eindruck erwecken, dass es sich um eine harmlose, nichtssagende Substanz handelt. Tatsächlich steht man aber vor ziemlich komplizierten Zusammenhängen. Diese Schaufel voller Erde wimmelt nur so von Lebewesen – auch wenn sie auf den ersten Blick nicht sichtbar sind.
In jedem Teelöffel Erde sind Millionen von Bakterien der verschiedensten Arten, dazu Algen, das Fadengeflecht der Pilze und auch noch Viren. Dazu kommen noch die Würmer, Larven der Käfer und anderer Insekten.
All diese Tier- und Pflanzenarten stehen in Beziehungen zueinander durch ziemlich komplizierte und verworrene Arrangements und Nahrungsketten.
Der Boden ist nicht unersetzlich, jedoch leicht verletzlich. Jede Art von Eingriff durch uns Menschen stört die Regelabläufe im Boden. Solange die Grenzen der Belastungen nicht überschritten werden, z.B. bei einer vorsichtigen, naturgemäßen Bewirtschaftung unserer Gärten, können die Selbstregulierungskräfte des Bodens noch wirken.
Ein idealer Boden besteht zu 50% aus festen Bestandteilen (Mineralboden und Humus) und 50% Hohlräumen, ca. zur Hälfte jeweils mit Wasser gefüllt.
Ganz wichtig ist die Filterwirkung des Bodens. Zugeführte Stoffe, auch Regenwasser, können, abhängig von der Zusammensetzung und Aktivität des Bodens, festgehalten, gelagert, ab- und umgebaut und bei Bedarf den Pflanzen zur Verfügung gestellt werden.
Der Boden ist also quasi der „Magen der Pflanzen“.
Für das Pflanzenwachstum sind nicht nur Bodenart und Bodentyp ausschlaggebend, sondern der gesamte Zustand des Wurzelraumes, seine physikalische, chemische und biologische Beschaffenheit. Hierfür wurden die Begriffen „Bodengare“ und „Bodenstruktur“ geprägt.
Am besten ist die sog. Krümelstruktur, der Boden besteht hier aus mehr oder weniger großen, stabilen Krümeln. Dies wird erreicht, wenn der Boden mittelschwer und einen reichen Humusgehalt hat. Dieser dient als Nahrungsquelle für die Mikroorganismen, die durch ihre Arbeit die einzelnen Bodenteilchen miteinander verbinden und so die gewünschten Bodenkrümel schaffen. Die Idealform dieser Struktur findet man beim Regenwurmkot. In 1 g befinden sich über 52 Mio. Mikroben, in 1 g normalen Gartenboden dagegen nur etwa 10-11 Mio. Der Regenwurm ist also einer der wichtigsten Nützlinge im Garten, je mehr von ihnen im Boden leben, desto besser ist die Bodenstruktur.
Wichtig für die Krümelstruktur ist aber auch noch die Bodengare. Der Begriff „Gare“ leitet sich von dem Wort „gären“ ab. Ein solcher Prozeß spielt sich im Boden im Zusammenhang mit den Mikroorganismen ab. Für die Atmung dieser Lebewesen wird viel Sauerstoff benötigt, die Organismen scheiden Kohlendioxid aus. Dieses Gas entweicht aus dem Boden, wodurch die bereits angesprochenen Hohlräume oder Poren entstehen.
Es ist also außerordentlich wichtig, das Mikroorganismenleben zu erhalten und zu fördern. Es muß immer genügend Nahrung für die Bakterien in Form von Humus vorhanden sein.
Der Boden in den Beeten sollte eigentlich immer bedeckt sein, da z.B. starke Niederschläge die oberste Schicht verschlämmen und damit Struktur und Gare negativ beeinflussen.
Auch der Boden zwischen den Pflanzen sollte laufend gehackt werden, um verdichtete Bodenschichten zu lockern und damit den Luft-Wasserhaushalt des Bodens günstig zu gestalten.
Der Humus
Unter Humus im Boden versteht man alle sich zersetzenden organischen Substanzen. Er entsteht durch die Tätigkeit der Bodenorganismen, die die tote pflanzliche oder tierische Materie in komplexe organische Substanzen umwandeln.
Humus ist ausschlaggebend für das Pflanzenwachstum, Böden ohne Humus verlieren auf Dauer ihre Fruchtbarkeit.
Deshalb sollten wir unsere Aufmerksamkeit als Gärtner ganz besonders auf diese etwa 10-30 cm dicke Erdschicht richten: sie wimmelt von Leben, ist ständig im Auf- und Abbau begriffen und Veränderungen unterworfen.
Humus schützt den Boden vor Auswaschung (Erosion) durch Niederschläge, weil das Wasser tief und gleichmäßig einsickern kann; Humus reduziert die Erosion durch Wind; seine Schleim- und Klebstoffe verbinden die Bodenteilchen und verbessern den Boden; er ernährt Regenwürmer und andere nützliche Bodenlebewesen; er reguliert die Bodentemperatur im Sommer und im Winter; er versorgt die Pflanzen mit den nötigen Nährstoffen und gibt diese so langsam ab, dass diese sie verwerten können; er vermag das bis zu fünffache seines Eigengewichtes an Wasser zu speichern; Humus vermindert das Auftreten von Pilzerkrankungen und der unangenehmen Älchen uvm.
Jeder sollte also daran interessiert sein, den Humusgehalt des Bodens zu erhöhen. Es gibt keinen Boden, dem Humus nicht guttut und keine Pflanze, die durch einen guten Humus nicht besser gedeiht.
Nährhumus und Dauerhumus
Organische Substanz wird beim Abbau im Boden oder Kompost unterschiedlich rasch umgewandelt. Alle weichen Teile der Pflanzen zersetzen sich rasch, verholztes Material hingegen zersetzt sich langsamer.
Charakteristisch für den Nährhumus ist die schnelle und reichhaltige Nahrungsquelle für die Mikroorganismen. Dieses Material ist praktisch reines Bakterienfutter. Stallmist, Kompostmaterial, das sich leicht zersetzt, Grasschnitt sind typische Nährhumuslieferanten.
Dauerhumus sind diejenigen Substanzen, die sich nur langsam zersetzen und relativ wenig Nährstoffe freigeben. Dies sind schwer verrottbare organische Materialen wie z.B. Rindenhumus und Häckselgut.
In unseren Breiten nimmt der Humusgehalt der Böden ständig ab, da durch die Tätigkeit der Bodenlebewesen eine fortschreitende Mineralisierung stattfindet. Deshalb müssen wir daran interessiert sein, den Humushaushalt unseres Bodens kontinuierlich zu verbessern.
Dafür stehen die sog. Humusdünger zur Verfügung. Sie erhöhen die organische Substanz im Boden und liefern teilweise auch noch Nährstoffe für die Pflanzen. Hierzu gehören Stallmist, Rindenprodukte, Stroh, der selbst hergestellte Kompost und auch die Gründüngung.
Düngen sollte man im Herbst oder Frühjahr, wobei neuere Untersuchungen ergeben haben, dass nährstoffhaltige Humusdünger wie Kompost oder Stallmist eher im Frühjahr ausgebracht werden sollten. Im Herbst verteilt, würde durch die winterlichen Niederschläge ein zu hoher Nährstoffverlust auftreten, wobei auch das Grundwasser durch Nitrat belastet wird.
Unterschiede gibt es in den Nährstoffgehalten der Humusdünger, vor allem bei den einzelnen Mistarten und dem Kompost.
Pferdemist z.B. ist ein „hitziger“ Dünger, der sich schnell zersetzt. Das Gleiche gilt auch für Hühnermist.
Rinder- oder Kuhmist zersetzt sich langsamer. Der Mist sollte gleich nach dem Ausbringen locker eingearbeitet werden. Eine Menge von ca, 250 kg/100 m² alle drei Jahre ist dabei ausreichend.
Rindenhumus ist feinkörnig gemahlene Rinde. Sie wird länger gelagert, bekommt Wasser und Nährstoffe zugesetzt und wird einem Rotteprozeß zugeführt. In dieser Rotte werden keimhemmende Substanzen abgebaut und es entsteht ein wachstumsförderndes Produkt.
Rindenhumus hat einen pH-Wert über 5,5 , wirkt als Dauerhumus und verbessert die Bodenstruktur. Für eine nachhaltige Bodenverbesserung werden etwa 200 l/100 m² benötigt.
Rindenkultursubstrat ist auf der Basis von Rindenhumus entstanden, enthält auch Ton, Torf und Sand und auch zusätzliche Nährstoffe. Viele Pflanzen können direkt darin kultiviert werden und man kann es auch für Balkonkästen, Kübel etc. verwenden.
Humus ist also die beste Grundlage für einen gesunden Pflanzenbestand. Natürlich kann man auf humusarmen Böden ebenfalls arbeiten und den Nährstoffbedarf aus dem (Kunst)-Düngersack stillen. Dabei wird der Boden aber immer mehr verkümmern, wie es mit so vielen Böden unserer Erde geschieht, die von Menschen missbraucht werden.
Wer den Zustand seines Gartenbodens genau kennen möchte, sollte sich nicht nur für die Nährstoffe, sondern auch für den Säuregehalt seines Bodens interessieren.
Die Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von der Bodenreaktion und dem pH-Wert. Diese Abkürzung entstand aus den lateinischen Begriffen potentia hydrogenii, das bedeutet „Kraft des Wasserstoffes“. Die sich dahinter verbergenden komplizierten Zusammenhänge müssen hier nicht erörtert werden, für die Praxis reicht es zu wissen, das je nach pH-Wert der Boden, chemisch gesehen, sauer oder alkalisch reagieren kann. Es gibt eine internationale Skala, auf der die Zahl 7 von den Wissenschaftlern als „Neutralpunkt“ definiert wurde. Unter 7 zeigen die Bodenwerte eine sich fortlaufend steigernde saure Reaktion an. Über 7 beginnt der Boden alkalisch zu reagieren.
Für uns Gärtner ist es wichtig zu wissen, dass die meisten Pflanzen eine schwachsaure Bodenreaktion mit pH-Werten zwischen 6-7 bevorzugen.
Ziemlich sauer mögen es die Moorbeetpflanzen (Rhododendren, Azaleen, Heidekraut).
Schwachalkalisch lieben es Süßkirschen, Kohl, Sellerie, Möhren. Alkalische Böden schmecken nur wenigen Pflanzen.
Noch aus einem anderen Grund als der Nährstoffaufnahme ist der pH-Wert wichtig. Er wirkt sich auch auf die Löslichkeit der Nährelemente im Boden aus.
Im neutralen Bereich sind die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium besonders gut löslich, während die Spurenelemente Kupfer, Eisen, Bor, Mangan und Zink eher im sauren Bereich besser gelöst werden.
Auswirkungen dieser unterschiedlichen Löslichkeiten sind manchmal deutlich zu sehen. Hortensien, die in einem zu alkalischen Boden stehen, bekommen gelbe Blätter, die Ausbildung des Blattgrüns ist gehemmt. Es fehlt halt Eisen, da dieses im eher sauren Bereich gelöst wird. Steuert man nun gezielt dagegen, indem eisenhaltiger Spurenelementedünger verabreicht wird, wird die Bodenreaktion gesenkt. Am Kümmern vieler Gartenpflanzen sind also nicht immer irgendwelche Käferchen, Larven, Milben und Co. Schuld. Wink
Es hat durchaus seine Vorteile, über einen längeren Zeitraum den pH-Wert seines Bodens zu verfolgen. Wenn es nämlich möglich ist, allein durch regelmäßige organische Düngung mit Kompost, Gründünger und Mulchen den phH-Wert zu verbessern oder zumindest zu halten, kann man von einem sehr guten Bodenzustand sprechen.
Sind allerdings regelmäßige Kalkgaben erforderlich, ist eventuell ein Umdenken in der bisherigen Bewirtschaftungsweise vonnöten.
Kalk neutralisiert zu sauren Boden. Darüber hinaus verbessert er die Struktur von Lehmböden, indem er dafür sorgt, dass die winzigkleinen Bodenpartikel „ausflocken“ oder zu Krümeln zusammenkleben. Dadurch wird der Boden lockerer und leichter zu bearbeiten.
Ferner setzt er Phosphor und Kalium frei, die in sauren Böden (Lehm ist im allgemeinen sauer) in den Bodenpartikeln eingeschlossen sind.
Nun aber nicht gleich Schubkarrenweise Kalk im Garten verteilen, denn ein Zuviel davon hat negative Folgen. Dann entsteht nämlich ein Mangel an anderen Spurenelementen, wie Mangan, Zink und Bor.
Den pH-Wert des Bodens kann jeder leicht selbst feststellen, das notwendige Zubehör gibt es in den meisten Baumärkten/Gartenhandlungen zu kaufen. Anleitungen sind dabei.
So, nun noch einige beispielhaft aufgeführte Gemüsesorten mit ihrem jeweiligen Bodenreaktionsgrad:
Gemüsesorte opt.pH-Wert
Blumenkohl 6,5 - 7,5
Bohnen 5,5 - 7
Endivien,Erbsen 6 - 7
Feldsalat 6,5 - 7,5
Gurken 5,5 - 7,5
Knoblauch 6 - 8
Kohlrabi 5,5 - 7
Kopfsalat 5,5 - 7,5
Kürbis 5,5 - 7
Lauch,Mangold,Melonen,
Möhren,Petersilie 6 - 8
Radieschen,Rettich,
Rhabarber 5,5 - 7
Rosenkohl 6 - 7
Rote Rüben 6,5 - 7,5
Schnittlauch,Sellerie,
Spargel 6 - 7
Spinat,Tomaten 5,5 - 7
Zwiebeln 6,5 - 7,5
Nachdem im vorherigen Beitrag der pH-Wert einiger Gemüsesorten beschrieben wurde, möchte ich einige Zierpflanzen/-gehölze folgen lassen.
Botanischer Name Deutscher Name Opt. pH-Wert
Aconitum Eisenhut 5 - 6
Adonis vernalis Adonisröschen 6 - 8
Ageratum Leberbalsam 5 - 7
Amaranthus Fuchsschwanz 6 - 7,5
Antirrhinum Löwenmaul 6 - 7,5
Aquilegia Akelei 6 - 7
Aster Aster 6 - 7
Athyrium Frauenfarn 4,5 – 6
Begonia-Semperflorens-
Hybriden Begonien 5 - 6
Bellis Maßliebchen 5,5 – 7
Buxus Buchsbaum 6 - 8
Calendula Ringelblume 6,5 – 7,5
Callistephus Sommeraster 6 - 8
Calluna Besenheide 4 - 6
Campanula Glockenblume 6 - 7,5
Canna Blumenrohr 6 - 7,5
Chrysanthemun Chrysantheme 6 - 7,5
Clematis Waldrebe 5 - 6
Coleus Buntnessel 4 - 5
Convallaria Maiglöckchen 5 - 6
Corylus Haselnuß 6 - 7
Cotoneaster Zwergmispel 6 - 8
Crataegus Weißdorn 6 - 8
Crocus Krokus 6 - 7,5
Cyclamen Alpenveilchen 5 - 6
Dahlia Dahlie 6 - 7,5
Daphne Seidelbast 5 - 6
Delphinium Rittersporn 5,5 – 7
Deutzia Deutzie 6 - 7,5
Dianthus Nelke 6 - 7,5
Dicentra Tränendes Herz 5 - 6
Digitalis Fingerhut 6 - 7,5
Erica Erika 4 - 4,5
Forsythia Goldglöckchen 6 - 7,5
Fuchsia Fuchsie 4,5 – 6
Gladiolus Gladiole 6 - 7,5
Hamamelis Zaubernuß 6 - 7
Hedera Efeu 6 - 8
Helianthus Sonnenblume 6 - 8
Helleborus Christrose 6 - 8
Hemerocallis Taglilie 6 - 8
Heuchera Purpurglöckchen 5 - 6
Hydrangea Hortensie 4 - 6,5
Impatiens Fleißiges Lieschen 6 - 7
Iris Schwertlilie 5 - 7
Ligustrum Liguster 6 - 8
Lilium Lilie 5 - 6
Lonicera Geißblatt 6 - 8
Magnolia Magnolie 5 - 6
Myosotis Vergißmeinnicht 6 - 8
Narcissus Narzisse 5,5 – 7,5
Nerium Oleander 6 - 7,5
Oenothera Nachtkerze 6 - 8
Orchidaceae Orchideen 4 - 5
Paeonia Pfingstrose 6 - 7,5
Papaver Mohn 6 - 8
Pelargonium Pelargonie 6 - 6,5
Petunia Petunie 6 - 7,5
Philadelphus Falscher Jasmin 5 - 6
Phlox paniculata Gartenphlox 6 - 8
Polypodium Tüpfelfarn 4 - 5
Primula Primel 5 - 6
Ranunculus Hahnenfuß 6 - 8
Rhododendron Alpenrose 3,5 - 4,5
Rosa Rose 6 - 7,5
Salix Weide 5,5 - 7
Sambucus Holunder 6 - 8
Scabiosa Skabiose 6 - 7,5
Solidago Goldrute 5 - 6
Spiraea Spierstrauch 6 - 8
Syringa Flieder 6 - 7,5
Tagetes Studentenblume 5,5 – 6,5
Tamarix Tamariske 6 - 8
Trollius Trollblume 5,5 – 6,5
Tropaeolum Kapuzinerkresse 5 - 7,5
Tulipa Tulpe 6 - 7,5
Veronica Ehrenpreis 5 - 6
Viburnum Schneeball 5 - 6,5
Viola tricolor Stiefmütterchen 6 - 7,5
Zinnia Zinnie 6 - 7,5
Noch einige Worte zu den Bodenuntersuchungen, die von privaten und staatlichen Untersuchungsanstalten durchgeführt werden. Bei der Grunduntersuchung wird im Allgemeinen der pH-Wert, die Bodenart und der Phosphat- und Kaliumgehalt festgestellt. Diese Untersuchungen sind recht günstig (Zahlen kann ich leider keine nennen).
Auf Wunsch wird gegen Aufpreis der Humus-, Salz- und Magnesiumanteil ermittelt, ebenso der Stickstoffgehalt, der jedoch Schwankungen unterworfen ist. Man kann sich auch Düngeempfehlungen geben lassen.
Wie geht man vor? An 5 – 20 Stellen werden im Garten mit dem Spaten Einzelproben entnommen. Im Rasen bis zu einer Tiefe von 10 cm, in Gemüse- und Staudenbeeten bis 25 cm, bei Obstbäumen und Ziergehölzen bis 20 cm. Alle Einzelproben werden gut miteinander vermischt. Je mehr Einzelproben entnommen werden, desto besser ist es.
Von dieser Mischung werden aber nur 300-500 g ins Labor geschickt.
Von frisch gedüngten oder gekalkten Böden sollte man keine Bodenuntersuchung durchführen lassen, weshalb Herbst oder Winter dafür am geeignetesten sind. (Man kann natürlich von den einzelnen Gartenbereichen auch Einzelproben schicken, dann verteuert sich die Untersuchung jedoch).
Selbstverständlich kann man jetzt über den Sinn einer solchen Untersuchung diskutieren. Wer seinen Garten aber auf eine naturgemäße Bewirtschaftung umstellen möchte oder vielleicht sogar gerade neu gebaut hat, ist durchaus gut beraten, eine Untersuchung vornehmen zu lassen.
Niemand kann durch einen Geruchs- oder Geschmackstest den Zustand seines Bodens interpretieren.
Dieser Beitrag soll dem wichtigsten Nützling unseres Gartenbodens gewidmet sein – dem Regenwurm. Er trägt zur Gesunderhaltung der Böden bei, ohne Schädlinge zu verspeisen, einfach durch sein Dasein. Für das Ökosystem unserer Erde ist er unverzichtbar.
Die Regenwürmer (Terricolae) kennzeichnen sich deutlich durch den kegelförmigen Kopflappen, der eine Art Oberlippe darstellt, weit vorgestülpt ist und als Erdschaufel wie als Saugstempel verwendet werden kann. Der zylindrische Körper ist unterseits etwas abgeflacht und oberseits immer etwas dunkler getönt. Auf jedem der kurzen, gleichmäßigen Glieder stehen vier kurze Paare von feinen Chitinborsten, die mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind.
Im Winter ziehen sich die Regenwürmer in die frostfreie Tiefe der Erde zurück, graben sich 1 ½ bis 2 m tiefe Röhren, an deren Ende sie zu dicken Klumpen zusammengeballt in eine Art Winterstarre fallen. Im Frühjahr dringen sie dann allmählich in immer höhere Bodenschichten vor.
Ans Tageslicht kommen sie nur, wenn sie sich durch schwere Bodenerschütterungen unmittelbar bedroht fühlen, oder sich bei starkem Regen ihre Gänge mit Wasser füllen und sie deswegen zum Atmen in Freie müssen. Daher kommt wohl auch ihr deutscher Name.
Hier draußen begeben sie sich aber in tödliche Gefahr (ich meine jetzt nicht die Amsel, die sich auf sie stürzen könnte): die Sonne. Diese zerstört ihre Blutsubstanz wenn sie sich nicht binnen kürzester Zeit wieder eingraben können.
Regenwürmer graben unermüdlich den Boden um. So lange sie leben, verschlingen sie vorne Erde und organische Abfälle, die sie hinten als fruchtbarste Humushäufchen wieder ausscheiden. Auf diesem Weg von vorne nach hinten vermengen sich die organischen Bestandteile mit den mineralischen Bodenteilchen und ergeben mit den Verdauungssekreten feine, dauerhafte Krümel.
Diese Regenwurm-Kothäufchen haben eine deutlich höhere Nährstoffkonzentration im Vergleich zur sie umgebenden Erde.
Jedes dieser Tierchen ist quasi eine bohrende Düngerfabrik und in einem guten Gartenboden treten sie in Massen auf. Als Beispiel eine Zahl: In einem Hektar guten Ackerlandes leben 100 000 – 120 000 Regenwürmer und bewegen in einem Jahr etwa 500 Zentner Erde.
Ihre Tätigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass die Kleinstlebewesen im Humus keinen Mangel an Sauerstoff und Feuchtigkeit leiden. Ohne sie würde der Betrieb in diesem großen unterirdischen Laboratorium zum Erliegen kommen, der Stickstoffumbau stocken, bliebe die Humusschicht sauer und unfruchtbar.
Regenwürmer sind Bohrgräber. In ihren senkrechten Gängen wachsen die Pflanzenwurzeln gern in tiefere Bodenschichten. Dies ist besonders für die Wurzelentwicklung in verdichteten Böden von großer Bedeutung.
Durch neuere Untersuchungen mit Hilfe der Computertomographie konnte festgestellt werden, dass Regenwürmer oft kein durchgängiges Röhrensystem von oben nach unten anlegen. Mit ihrem Kot verstopfen sie Röhrenabschnitte, so dass eindringendes Wasser nicht gleich abfließt, sondern über das wasserleitende Porensystem des Bodens langsam versickert.
Das ist wichtig für den Grundwasserspiegel und die Filterwirkung des Bodens.
Mit der Nahrung werden natürlich auch Schadstoffe aufgenommen, die in dem ausgestoßenen Kot aber in geringerer Menge wiedergefunden wurden, weil sie sich im Körper der Würmer anreichern. Dies bedeutet natürlich, dass der wiederholte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie erhöhte Salzkonzentrationen durch Düngergaben die Lebensbedingungen der Würmer verschlechtern. Der günstigste pH-Wert des Bodens liegt für sie bei 5,5 – 7.Wer also mit Chemie den Schädlingen den Garaus machen möchte, hat anschließend vielleicht blattlausfreie Pflanzen – nimmt auf lange Sicht aber eine Bodenverschlechterung in Kauf!
Wer will, kann mal einen (b)Regenwurmtest(/b) durchführen. Der Besatz an Regenwürmern ist Maßstab für die Bodenfruchtbarkeit.
In etwa 5 cm Tiefe wird der Boden abgeschürft, eine 0,75 x 0,75 m große Testfläche abgemessen und abgesteckt. Die freigelegten, angeschnittenen Regenwurmgänge auszählen und auf 1 m² umrechnen (0,75 x 0,75 = 0,50 x 2 = 1 m²).
Ideal wäre für Gartenböden ein Regenwurmbesatz von 1000 Gängen je m².
Böden mit vielen Regenwürmern haben auch hohe Anteile anderer Bodenlebewesen. Der jeweilige Wurmbesatz ist abhängig von der Nahrung und Witterung.
Auch das Mulchen bietet ihnen eine angenehme Schutzzone bei ihrer Nahrungssuche.
Das unsere Großväter den Regenwurm noch mit anderen Augen sahen, macht ein Blick in das Buch (i)Der Lehrmeister im Garten(/i), erschienen 1908, deutlich.. Hier steht: „…Im übrigen wird man die schädlichen (Regen-)Würmer beim Graben absammeln und den Hühnern vorwerfen, denn sie sind in der Regel in dem guten Gartenboden viel zu zahlreich vorhanden und deshalb auch schädlich.“
Ein naturgemäß wirtschaftender Gärtner bezeichnet sie heute eher als seine „Heinzelmännchen des Bodens“.
Im Boden ist richtig was los, da geht buchstäblich „tierisch“ die Post ab, allerdings – vom im letzten Beitrag beschriebenen Regenwurm mal abgesehen – meist unauffällig. Und doch spielen diese Lebensvorgänge eine Schlüsselrolle für die Fruchtbarkeit, den Aufbau des Bodens und das Pflanzenwachstum. Es geht um die Bodenfauna und Bodenflora. In einem Gartenboden kann die Menge der Mikroorganismen bis zu einer Tiefe von 20 cm 7% betragen, das sind immerhin ca.42 kg organische Masse je 100 m². Diese Organismen bauen die abgestorbenen organischen Substanzen im Boden ab und entwickeln sie zu wertvollem Humus weiter. Bei diesem Prozeß werden neben Kohlendioxid auch Mineralstoffe für die Pflanzenernährung freigesetzt.
Das Bodenleben insgesamt bezeichnet man als Edaphon und besteht aus den tierischen und pflanzlichen Lebewesen (Fauna und Flora). In Untersuchungen hat man herausgefunden, dass in einem m² Gartenboden 4 Billionen Bakterien und Pilze, 1 Mio. Nematoden, ½ Mio. Geißeltierchen, 200 000 Milben, 100 000 Springschwänze, 80 000 Ringelwürmer und 80 Regenwürmer leben. Ein schier unglaubliches Gewimmel.
Alle diese Lebewesen sind in unterschiedlichen Bodenschichten tätig. Ganz oben, in der sog. Rotteschicht, arbeiten Pilze, Bakterien und Mikroben an der Zersetzung des organischen „Abfalls“: Blätter, Strohhalme, Grasschnitt usw. Die Lebensbedingungen dieser fleißigen Helfer verbessern sich, wenn sie im Schutz einer Mulchschicht leben und arbeiten können.
In dieser obersten Schicht bekommen sie auch noch Hilfe von Tausendfüßern, Asseln, Drahtwürmern usf. Diese Schicht hat eine Dicke von nur wenigen Zentimetern.
Darunter reicht bis in eine Tiefe von etwa 30 cm die eigentliche Humusschicht. Hier findet dann kein Abbau- sondern ein Aufbauprozeß statt. Alles was weiter oben schon mal bearbeitet wurde, wird von den hier lebenden Organismen in für die Pflanzen verwertbare Substanzen umgewandelt. In dieser Tiefe gibt es eine enge Verbindung zwischen den Mikroorganismen und den Pflanzenwurzeln. Jeder ist von den Stoffwechselprodukten des Anderen abhängig.
Das Vorkommen und die Besatzdichte von Bodentieren ist abhängig von dem Hohlraumvolumen des Bodens, von den zur Verfügung stehenden organischen Stoffen, dem Bodenklima und der Art der Bewirtschaftung. Diese Tiere sind durchaus auch Indikatoren des Bodenzustandes und man kann mit ihrem Vorkommen durchaus Rückschlüsse auf den Bodenzustand treffen (ähnlich der Zeigerpflanzen).
Aus der großen Vielfalt der Bodentiere gibt es einige charakteristische „Zeigertiere“:
Tausendfüßerarten treten häufig bei kalk-, kalium- und phosphorarmen Böden auf.
Wo eine gute Nährhumusversorgung und Bodengare vorhanden ist, sowie reichlich Kalium und Phosphor, findet man Springschwänze.
Asseln brauchen immer feuchte Lebensräume.
Weberknechte findet man häufig in naturgemäß bewirtschafteten Gärten mit reichlich Humus und Kalk.
Raubmilben sind wichtig für die biologische Schädlingsbekämpfung. Ihr Besatz geht rapide zurück bei hohen anorganischen Düngergaben und chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen.
Der Gold-Laufkäfer zeigt schwere Böden an. Kanal- und Putzkäfer findet man auf feuchteren Standorten. Schnellkäfer kennzeichnen leichte Böden und Grabläufer einen trockenen Boden. Alle diese Laufkäfer vertilgen Schnecken und andere wirbellose Gartenschädlinge.
Zum Schluß noch einige Worte zur Bodenmüdigkeit, einem Phänomen, mit dem vor allem Rosenliebhaber zu kämpfen haben, denn Rosengewächse und auch die meisten Baumobstarten sind recht häufig von dieser Erscheinung betroffen.
Es sind meist die Folgen einer einseitigen Kulturführung oder einer längeren Monokultur. Die Ursachen hierfür konnten noch nicht eindeutig geklärt werden. Die bisherigen Erkenntnisse lassen aber den Schluß zu, dass toxische Ausscheidungen der Pflanzenwurzeln oder von Mikroorganismen, sowie Nematoden und Bodenpilze als Schädiger in Frage kommen.
Entgegensteuern kann man mit Hilfe der Gründüngung, durch Ansaat von Tagetes, Ringelblumen und Kapuzinerkresse, mit hochwertigem Kompost und mit mulchen.
Wer aber einen optimalen Humuszustand und Bodenaktivität hat (oder diese erreicht), dürfte keine Probleme mit der Bodenmüdigkeit bekommen.
Autor: Ralf Quirbach
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