Brennessel
Also ich persönlich habe jetzt keine Erfahrung damit, aber es heißt, dass Jäger und Waldleute den Saft der Nessel gegen Brustleiden trinken – und der Nesselsame macht feurig in der Liebe.
Man unterscheidet die Große und die Kleine Brennessel. Die Große ist i.d.R. zweihäusig, d.h., die grüngelben Blüten sind an einer Pflanze entweder männlich oder weiblich. Die Blütezeit reicht etwa von Juni/Juli bis in den Herbst.
Die Kleine Nessel trägt männliche und weibliche Blüten gleichzeitig. Die Blätter sind etwas kleiner und zierlicher, ansonsten sind beide Pflanzen sehr ähnlich und auch ihre Inhaltsstoffe sind gleich.
Wohl jede(r) kam schon einmal mit einer Brennessel in Berührung – eine meist schmerzhafte Erfahrung. Das liegt an den Brennhaaren dieser Pflanze. Die Wand dieser Brennhaare ist durch Kieselsäure spröde und bricht bei Berührung ab. Zurück bleibt eine scharfe Spitze, die ganz leicht in die Haut dringen kann und mit dem freigesetzten Nesselgift die bekannten Entzündungen der Haut hervorruft.
Aber die Brennessel hat auch noch heilkräftige Wirkstoffe, wie Vitamine, Mineralsalze, Spurenelemente und Chlorophyll und in Wurzeln und Samen auch noch Gerbsäure.
Die Pflanze regt den Stoffwechsel an, reinigt das Blut und stärkt die Widerstandskräfte.
Angewandt wird sie bei Rheuma, Gicht, Leber- und Galleleiden.
Früher versuchte man mit ihrer Hilfe sogar herauszufinden, wie krank man wirklich war. Eine Nessel wurde in den Nachttopf gelegt. Wenn sie Tag und Nacht grün blieb, bedeutete dies, dass man bald wieder gesund war. Verwelkte sie aber, war es an der Zeit, den Nachlaß zu regeln.
Schon vor Jahrtausenden wurde das Kraut als Gemüse gegessen, in späteren Zeiten vor allem bei armen Leuten. Die jungen Brennesselblätter werden im Frühling als Spinat zubereitet oder unter den normalen Spinat gemischt. Gemeinsam mit jungen Löwenzahnblättern und den Rosetten der Gänseblümchen ergibt es einen gesunden Salat. Bereits während der Zubereitung beginnen die Blätter zu welken und dann brennen sie auch nicht mehr beim Essen.
Die Nessel ist eine der ältesten Gespinstpflanzen. Aus ihren Stengelfasern stellte man Nesselstoff her. Die Pflanzen wurden dazu nicht nur wildwachsend gesammelt sondern sogar angebaut.
Natürlich war und ist sie ein wichtiges Heilkraut. Paracelsus empfiehlt sie gegen Husten, Wassersucht und üble Geschwüre:“Wenn einer den Saft trinkt, so lockt dies das Blut hervor, so dass man feste schwitzt. Die Krämer geben Tyriak dazu, damit er den Schweiß hervorrufe.“
Auch Hildegard von Bingen beschäftigte sich mit der Pflanze und entdeckte eine weitere Eigenschaft, die heute in Vergessenheit geraten ist:“Und ein Mensch, der gegen seinen Willen vergesslich ist, zerstosse die brennende Nessel zu Saft und füge etwas Olivenöl dazu, und wenn er schlafen geht, salbe er damit seine Brust und die Schläfen, und dies tue er oft, und die Vergesslichkeit in ihm wird vermindert werden.“
Ein weiterer Heilkundiger sagt:“Nesselblätter mit Wein gesotten / darüber getruncken, erweicht den Bauch, vertreibt das Grimmen, zertheilet die Winde, treibt den Harn, reiniget die Lenden und reitzet zum Beyschlaff an.“
Männer konnten (können?) mit Hilfe der Nessel dafür sorgen, dass die Angebetete sie erhört. Man muß nur vor Sonnenaufgang an einem Freitagmorgen zu einer Nessel gehen, dort den Namen der Frau zu sprechen und die Nessel mit Salz bestreuen. Bei Sonnenaufgang dann wird die Pflanze samt Wurzel ausgegraben, im Ofen verbrannt und dabei ein Liebesspruch aufgesagt.
In fast jedem Garten tauchen die Brennesseln irgendwann mal auf – oder sind sogar ständig darin. Nicht murren und fluchen, sondern eher freuen. Sie zeigen zumeist einen guten, humusreichen Boden an. Wenn man die Samenbildung verhindert und eine Wurzelsperre einbaut, kann man sie sogar kultivieren – und sehr sinnvoll nutzen. Und dies nicht nur in der Hausapotheke sondern auch in vielfältiger Weise im Garten durch Jauchen und Brühen, die die anderen Gartenpflanzen stärken und düngen (dazu habe ich in dem Thread „Pflanzenjauchen,-brühen und Co.“ schon einiges geschrieben).
Autor: Ralf Quirbach
Nach Oben | Eingepflegt durch: Wenzlinge