Liebstöckl
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Viele andere Namen sind ihm noch gegeben worden: Badekraut, Maggikraut, Schluckwehrohr, Suppenlob, Gebärmutterwurzel, Lieberöhre, Gichtstock, um nur einige zu nennen. Der Liebstöckel kann zu einer stattlichen Pflanze heranwachsen, wenn er geeignete Bedingungen vorfindet. Er liebt nährstoffreiche Böden, die gleichmäßig feucht sind und will gut mit Kompost und organischem Dünger versorgt werden. Die Staude verträgt Halbschatten, ist völlig winterhart und kann im (Kräuter-)Garten gut und gerne 15 Jahre an einem Platz verbringen.Er ist ein Doldenblütler, sehr kräftig und robust gebaut und kann bis zu 2 m hoch werden!Ursprünglich kommt er aus dem Iran. Mönche brachten ihn schon früh über die Alpen, wo er dann zunächst in Klostergärten angebaut wurde. Dem Kraut werden geheime Kräfte zugeschrieben. Wer etwas von der Pflanze bei sich trägt, wird von allen Menschen gern gesehen. Ein Mädel, das einen Jungen zunächst verschmähte, folgt ihm unwiderstehlich, wenn er einen Liebstöckelzweig dabei hat., erzählt man auf der Rhön. In Franken nimmt man dazu die Wurzel. Die Pflanze wurde auch gerne als Aphrodisiakum genommen. |
Um Hexen zu vertreiben, mischte man Liebstöckel der kalbenden Kuh ins Futter. Waren die Kühe verhext, gaben zu wenig oder gar blutige Milch, wusch man an manchen Orten das Milchgeschirr mit einem Absud, dem u.a. Liebstöckel beigegeben wurde, um den Zauber zu lösen.
Mit ihrer Hilfe konnte man sogar Hexen erkennen. Wer in der Karfreitagsnacht die Wurzel ausgrub und bei sich trug, konnte die Hexen daran erkennen, dass er sie mit Milcheimern auf dem Kopf herumlaufen sah.
Liebstöckel enthält ätherische Öle, Harze, Säuren und Bitterstoffe. Er wirkt harntreibend, löst Blähungen und fördert die Verdauung.
Paracelsus sagte, dass in Kraut und Stengel die meiste Kraft enthalten sei. Heute weiß man, dass besonders die Wurzeln heilend wirken.
Ein Tee aus getrockneten Wurzeln, im kalten Wasser angesetzt, wird langsam aufgekocht und dann abgesiebt. Dieser Tee wirkt wassertreibend und ist bei Gicht, Rheuma und Nierenbeschwerden zu empfehlen. Auch zur Anregung einer zu schwachen Menstruationsblutung nutzte die Volksmedizin ihn. Schwangere Frauen sollten ihn meiden, denn er kann zu einer höheren Lichtempfindlichkeit der Haut führen.
Die Bezeichnung „Schluckwehrohr“ weist auf die frühere Verwendung gegen Heiserkeit und Halsschmerzen hin. Man nutzte die hohlen Stengel als Trinkrohr. Heiße Milch mit Honig wurde so genossen. Man weiß heute, dass die keimhemmenden ätherischen Öle eine gewisse wohltuende Wirkung bei diesem Rezept haben.
In der Bukowina wurden zu diesem Zweck die trockenen Stengel geraucht, in Schlesien die Stuben mit ihnen geräuchert.
In Schlesien rieb man auch noch die Füße mit Liebstöckel ein, um sich vor Schlangenbissen zu schützen. In Estland behandelte man mit dem Kraut deren Biss.
Als Badezusatz verwendet, stärkt er die Unterleibsorgane der Frauen.
In der Küche sollte man ihn wegen seiner Würze nur sparsam einsetzen. Die Blätter werden frisch oder getrocknet in kleinen Mengen als Würze zu Fleischspeisen, Eintöpfen, Soßen und Suppen genommen.
„Das Kraut ist eines schweren Geruchs; aber der Samen riechet lieblicher.“
Wer ihn in seinem Garten anbauen möchte, sollte wegen seiner Größe nur 1-2 Pflanzen holen (Abstand mind.50 cm). Ist er einmal angewachsen, benötigt er keine besondere Pflege, außer den normalen Gartenarbeiten. Etwas Dünger im Frühsommer lässt sie üppig wachsen.
Junge Pflanzen werden regelmäßig gegossen, sie dürfen nicht trocken werden.
Autor: Ralf Quirbach
Tipp: Man kann Liebstöckl, wenn er beginnt zu blühen, bodennah abschneiden. Anschließend treibt er neu aus und man verängert die Ernte der frischen, jungen Blätter. Aber seine stattliche Höhe von teilweise über 2m schafft er dann natürlich nicht mehr.
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