Ringelblume
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Während des Mittelalters war die Ringelblume in praktisch jedem Bauerngarten anzutreffen. Sie gehört zu den ältesten Heilpflanzen und kam – wie so viele andere – aus dem Süden Europas über die Alpen zu uns. Das Volk gab ihr eine Vielzahl von Namen: Totenblume, Warzenkraut, Stinkblume, Sonnenwende, Ringelrose, Regenblume, Gartenbutterblume, Wucherblume u.a.Die ganze Pflanze enthält ätherische Öle, außerdem Bitterstoffe, Saponine, Harz, Gummi und Calendulin. Ringelblumenauszüge heilen Wunden und Entzündungen. Mit frischem Pflanzensaft oder einer Abkochung aus Ringelblumen werden Kompressen getränkt, die man auf Geschwüre und schlecht heilende Wunden legt. Berühmt ist vor allem die Ringelblumensalbe, die besonders an den Beinen, Wunden, Quetschungen und Entzündungen gut heilt. |
Ihr Geschmack ist bitter, salzig und herb. Sie hat eine schweißtreibende, leicht abführende Wirkung. Beachten sollte man, dass bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen ausgelöst werden könnten. Im Gartenboden vertreiben die Ringelblumen durch ihre Wurzelausscheidungen Bodenälchen. In sonnigen Lagen entwickelt sie den höchsten Gehalt an ätherischen Ölen, sie wächst fast überall.
Der wissenschaftliche Name „Calendula“ bedeutet „kleiner Kalender“. Durch Öffnen und Schließen der Blüte zeigt sie die Tage an. Eine alte Bauernregel sagt, dass es Regen gibt, wenn die Ringelblumen sich morgens nicht öffnen.
Im Mittelalter glaubte man, daß bloße Riechen an der Ringelblume könne eine Fehlgeburt auslösen. Deshalb galt sie auch als Abtreibungsmittel.
Bei den Franzosen wurde das Ringelblumenkraut „…in einem Eierkuchen verbacken, und gebens den Weibern zu essen, welchen die monatliche Zeit zu viel oder zu wenig fliessen“.
Auch als Liebestrank und Liebesmittel wurde sie genutzt. Überliefert ist ein Liebeszauber bei den Slawen, mit dessen Hilfe ein Mädchen die Liebe eines Mannes erringen konnte. Die Frau musste sich den Fußabdruck des Angebeteten besorgen, indem sie die Erde in einen Blumentopf füllte und dahinein eine Ringelblume pflanzte. So wie die Pflanze wuchs und gedieh, empfing sie auch die Liebe des Mannes.
Männer hingegen sollten eine Ringelblumenwurzel in einem seidenen Tuch mit sich führen, um von allen Frauen begehrt zu werden.
Bis etwa Mitte des 20.Jhr. war die Ringelblume eine sehr beliebte Grabpflanze und wurde auch häufig als Leichenschmuck verwendet.
Böse Zungen führen dies auf ihren „leichenartigen Geruch“ zurück, der Hintergrund ist aber eher, dass mit dem strengen Duft die bösen Geister von dem Verstorbenen ferngehalten werden sollten.
Autor: Ralf Quirbach
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