Salbei
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In einer Legende wird berichtet, daß Maria mit dem Jesuskind vor Herodes fliehen mußte und alle Blumen des Feldes bat, ihr zu helfen. Keine wollte ihr jedoch Obdach gewähren – außer dem Salbei, unter dessen Blättern sie sich vor den Häschern verbergen konnte. Als die Gefahr vorüber war, sprach die Mutter Gottes zu dem Salbei:“Von nun an bis in alle Ewigkeit wirst Du eine Lieblingsblume der Menschen sein. Ich gebe dir die Kraft, die Menschen zu heilen von jeder Krankheit; errette sie vom Tode, wie du es auch an mir getan hast.“Der Salbei gehört in die Familie der Lippenblütler (Labiatae). Er bildet verholzende Halbsträucher, die etwa 30-80 cm hoch werden können. Die ganze Pflanze verströmt einen strengen, würzigen Duft. Die Blätter enthalten ätherische Öle, die u.a. Kampfer enthalten. Seine blauen oder violetten Blüten erscheinen von Juni bis August. |
Der Salbei ist in den Mittelmeerländern zu Hause und möchte auch bei uns im Garten einen sonnigen Standort mit trockenem, durchlässigem Boden haben. Er liebt Kompost und braucht auch etwas Kalk. Die Pflanze kann leicht durch Stecklinge und Ableger vermehrt werden.
In rauen Gegenden sollte man ihn im Winter schützen und im Frühjahr so weit zurückschneiden, dass er aus dem alten Holz frisch austreibt.
Der lat.Name („salvare= heilen; salvere= gesund“) bezeugt die hohe Wertschätzung, die ihm zuteil wurde.
Die alten Kräuterväter empfahlen, dass Salbei vor allem von den Leuten im Garten gepflanzt werden sollte, die kein Geld hätten, „gen Frankfurt und Venedig“ zu fahren (aus medizinischen Gründen).
Die Pflanze „kräfftigt und stärckt die Nerven und kommt zu Hülff allen den Schwachheiten, so von Verstopfung oder Verletzung des Hirns oder der Nerven herkommen.“ „Salbei im Mund gekäuet, machet einen guten Atem.“ Früher bereits war bekannt, dass man das Zahnfleisch mit frischen Blättern gerieben, „sauber und steiff“ erhält.
Auch für die Haare wurde es verwendet: „Wann man das Haar oft mit Salbey Saft bestreichet, so wird es gar schwarz darvon.“
Auch heute noch ist die Pflanze in der Volksheilkunde besonders beliebt. Ein Teeaufguß als Gurgelwasser gilt als prima Rezept gegen Halsentzündungen oder Beschwerden beim Schlucken. Kneipp empfiehlt den Tee bei Nieren- und Leberleiden.
Sein hoher Gehalt an ätherischen Ölen hemmt die Schweißsekretion, „auch Leute mit nassen Händen nehmen sie mit bestem Erfolg.“
In der Küche passt er zu Fleisch, Spießchen, rustikalen Suppen, Schinken, Käse und Aal. Nur in kleinen Mengen verwenden.
Die Chinesen wundern sich, dass die Europäer ihren Tee importieren, da sie doch selbst eine so prächtige Pflanze besitzen, die ihrem Tee noch vorzuziehen sei.
Die Blätter werden am besten kurz vor der Blüte geerntet, dann sind sie am würzigsten (können auch trocken verwendet werden).
Salbei ist, wie eingangs in der Legende beschrieben, ein Marien- und darüber hinaus noch ein Symbol der Treue und Erinnerung. In einem Volkslied heißt es:
„Rosmarin und Salbeiblättlein, schenck ich dir zum Abschiedsgruß. Und dies sei mein letzter Gedanken, weil ich dich verlassen muß.“
Salbei ist auch eine Liebeszauber-Pflanze. Im Archiv in Donaueschingen wurde ein 1727 verfasster Zauber entdeckt: (i)Ein Mann, der die Liebe einer Frau gewinnen will, soll mit einer noch nie benutzten Nadel 3 Löcher in ein Salbeiblatt stechen. Durch diese Löcher sind dann eines seiner und eines ihrer Haare so durchzuziehen, dass sie nicht herausfallen. Das Salbeiblatt mit den Haaren ist in neues Wachs zu legen. Der Mann muß das Wachs mit dem Blatt nun auf einen Taufstein legen und sprechen: „Ich taufe dich im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen!“
Dieser geweihte Gegenstand wird nun unter der Türschwelle der Angebeteten vergraben. Wenn sie das nächste Mal das Haus verlässt und darüber geht, „so muß sie dich lieb haben.“(/i)
Noch heute sagt man in England: Wer ewig leben will, der esse Salbei im Mai.“ (Frauen sollten in der Schwangerschaft aber auf ihn verzichten).
Autor: Ralf Quirbach
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