Kräuselkrankheit

Die Kräuselkrankheit am Pfirsich und an der Nektarine erkennt man leicht an den eingerollten, gekräuselten Blättern. Im späteren Stadion können die Blätter sich auch wachsartig verdicken.
Fotos: Kathinka Wenz
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Betreff: Kräuselkrankheit an Pfirsichen
Datum: 21. Jan 2002
Von: Gerhard Zahn
Kräuselkrankheit des Pfirsichs
(Taphrina deformans [Berk] Tul., Exoascus deformans)
S c h a d b i l d : Schon bald nach dem Austrieb kann man an den Pfirsichblättern (ebenso an Mandel- und Nektarinenbäumen) besonders bei gelbfleischigen Sorten, oft weißlichgrün oder karminrot verfärbte, brüchige Auftreibungen beobachten. Die Verfärbung ist sortenabhängig. Auf der Blattober-, seltener auf der Blattunterseite, findet sich ein zarter, weißlicher Flaum. Die Blätter vertrocknen bald und fallen ab. Oft werden die Bäume fast völlig kahl; die jungen Früchte werden abgestoßen. Die Symptome ähneln den Verkräuselungen durch Blattläuse. Bei Blattlaus-Befall findet man aber die Läuse oder deren Überreste, außerdem sind dann die Blätter nicht so stark verdickt und nicht brüchig. Der Neuaustrieb (Johannistrieb) bleibt zwar gesund, aber die Früchte im Befallsjahr leiden wegen des Blattfalls an mangelnder Ernährung. Für das Folgejahr werden weniger wahre Fruchttriebe gebildet. Frostschäden und Gummifluss können gehäuft auftreten. Mehrere aufeinander folgende Befallsjahre können den Tod des Baumes bedeuten. So ist die Kräuselkrankheit des Pfirsichs die bedeutendste pilzliche Krankheit dieser Obstart.
U r s a c h e : Der Pilz Taphrina deformans. Er überwintert als zartes Geflecht auf Knospenschuppen und auf der Rinde. Schon vor dem Knospenaufbruch entstehen Sprosszellen, die durch Regen auf die sich gerade öffnenden Knospen gelangen. Als feiner Keimschlauch dringt der Schmarotzer in das zarte Blattgewebe ein und bewirkt dort krankhafte, verfärbte Wucherungen. Die Stärke der Infektion ist erheblich vom Wetter abhängig. Je öfter es vor dem Knospenaustrieb regnet, um so stärker tritt die Krankheit auf. Nach der Infektion wuchert der Pilz im Blattgewebe und deformiert die Blätter. Der später auf den Blättern sichtbar werdende weißliche Belag besteht aus feinen, schlauchförmigen Organen, in denen Sporen ausgebildet werden. Gegen Ende Mai werden diese ausgeschleudert und gelangen, vom Wind verbreitet, auf die Triebe des gleichen oder benachbarter Bäume. Dort keimen sie und es entsteht die Überwinterungsform, womit der Entwicklungskreis geschlossen ist.
V o r b e u g u n g : Weißfleischige Pfirsiche und Nektarinen sind teilweise weniger anfällig. Sachgemäßer Rückschnitt, Verjüngung und Auslichtung bringen ebenfalls eine Befallsreduzierung. Auslichtung und Beseitigung befallener Triebe und Blätter bis Mitte Mai mindern den Befallsdruck.
B e k ä m p f u n g : Bei anfälligen, meist den saftigeren und aromatischeren gelbfleischigen Sorten, ist, nach Beobachtung von Befall, im Folgejahr eine vorbeugende Behandlung mit geeigneten Fungiziden Erfolg versprechend. Die Betonung liegt auf vorbeugend, da alle empfohlenen Mittel lediglich einen Belagschutz auf den Knospen bringen. Entscheidend für den Erfolg von vorbeugenden Spritzungen ist der richtige Zeitpunkt! Dieser ist gegeben, bevor sich die Knospenschuppen lockern, also bereits dann, wenn die Knospenschuppen erkennbar schwellen (Mit Lupe beobachten!). Hilfsweise kann als Anhalt dienen: erstmals werden Temperaturen über + 10° C erreicht (soll schon Ende Dezember vorgekommen sein); Erscheinen der weiblichen Blüten der Haselnuss. Die Hauptinfektionszeit soll meist Ende Februar/Anfang März liegen. Schwierig wird die Terminierung der Spritztermine bei wechselhaftem
Wetter, weil nach kurzen Erwärmungen und darauf folgenden Abkühlungen der Sporenversand ins Stocken kommt und bei nächster Gelegenheit wieder von vorn anfängt.
Etwa 10 Tage nach der ersten Spritzung ist eine zweite dringend anzuraten.
S p r i t z m i t t e l :
Neudorff empfiehlt mehrere Spritzungen mit dem Pflanzenstärkungsmittel Neudo®-Vital Obst-Pilzschutz.
Die Biologische BundesAnstalt (BBA) listet für den Erwerbsanbau - Stand 10.12.2001 - folgende 9 Fungizide (Wirkstoffe in Klammern) auf, mit denen ein vorbeugender Belagschutz beim Pfirsich erreicht werden kann:
Delan SC 750 (Dithianon), Euparen (Dichlofluanid), Cuprozin WP, Funguran, Funguran-OH, Kupferkalk Atempo, Kupferspritzmittel Schacht, Kupferspritzmittel Funguran, Obst- und Gemüsespritzmittel (letztere alle mit Kupferoxychlorid oder Kupferhydroxid).
Auf Nachfrage teilte die BBA jedoch mit, obige Mittel seien für den Haus- und Kleingarten ausnahmslos nicht mehr zugelassen. Es gebe derzeit gegen die Kräuselkrankheit am Pfirsich im Haus- und Kleingarten kein zugelassenes Mittel….:-(
Sobald bekannt wird, dass ein Hersteller die “Haus- und Kleingarten -Zulassung” eines der obigen oder eines anderen Mittels beantragt und erhalten hat, wird dies hier unverzüglich vermeldet.
V e r w a n d t s c h a f t e n : Der Erreger der Narren- oder Taschenkrankheit an Zwetschgen = Taphrina pruni ist mit dem Erreger der Kräuselkrankheit beim Pfirsich nahe verwandt.
V e r w e c h s l u n g e n : rötlich-gelb gefärbte Blattfalten an Apfelbäumen sehen der Kräuselkrankheit des Pfirsich durchaus ähnlich. Verursacher ist aber hier die Apfelfaltenlaus.
Beste Grüße G e r h a r d
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Betreff: Re: Pfirsichbaum/Kräuselkrankheit
Datum: Mon, 7 Jan 2002 16:42:04 +0100
Von: “Lothar Mayer”
Foren: de.rec.garten
Vorgeschriebenes als kleine Hilfe: man kann davon ausgehen, dass nach der Winterpause das Knospenschwellen an Pfirsichen beim erstenmal von Temperaturen über +10° Celsius beginnt. Dies ist der Zeitpunkt, wo ich mit einer kombinierten Spritzung Kupfer45 1%ig und Delan SC (Konz. muß ich nachschauen) drübergehe. Letzten Winter sah das so aus, dass ich die erste Spritzung in der Woche vor Weihnachten (noch im Jahr 2000) und die nächste dann erst wieder Anfang Februar 2001 gebracht hatte. Mit Ausnahme weniger Ausreiser (unter 700 Bäumen vielleicht 10 Stück) hatten wir keine Probleme mit Kräuselkrankheit. Soweit aus dem tiefverschneiten Reiserschnittgarten.
Lothar
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Betreff: Re: Pfirsichbaum/Kräuselkrankheit
Datum: Mon, 07 Jan 2002 21:33:11 +0100
Von: Horst Hollensteiner
Foren: de.rec.garten
Ich bin mir nicht sicher, ob Kupfer gegen die Kräuselkrankheit hilft. Ganz sicher hilft jedoch Euparen WG, ein zugelassenes Mittel, das zumindest in D im Handel erhältlich ist und bei meinem Pfirsich die Kräuselkrankheit in der letzten Saison ausgemerzt hat.Ich versuche es mal in der Gruppe.
Der Ausbringungzeitraum von Euparen WG an Pfirsichen ist nicht leicht zu bestimmen. Gespritzt werden muß genau zum Zeitpunkt des Knospenschwellens im zeitigen Frühjahr. Also, die Witterung und die Knospen genau beobachten, bei Beginn des Knospenschwellens 2 mal in Abständen von ca. 8 - 10 Tagen mit Euparen spritzen. Falls es sich wieder abkühlt und das Wachsatum gehemmt ist, vielleicht noch ein drittes mal. Dann dürfte es den Pilz erwischt haben. Keine Angst vor diesem chemischen Mittel, das Spritzmittel baut sich relativ schnell ab und es kann sogar bei einer Wartezeit von 12 Tagen gegen Grauschimmel an Erdbeeren genutzt werden. Also dürfte es bei Pfirsichen, die sich noch gar nicht gebildet haben, völlig unschädlich sein.
Grüße aus dem südlichen Münsterland
Horst
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