Dickmaulrüssler
Der Käfer befällt eine ganze Reihe von Pflanzen, u.a. sind anfällig: Rhododendron, Efeu, Thuja, Azaleen, Eibe, Cotoneaster, Begonien und Cyclamen.
Der erwachsene Käfer wird etwa 7-13 mm groß, ist braun- bis grau-schwarz gefärbt und hat einen länglich-eiförmigen Körper. Typisch ist der breite Rüssel, an dessen vorderen Ende die Mundwerkzeuge sitzen. Die Käfer können nicht fliegen, sind aber „gut zu Fuß“.
Foto: Ralf Quirbach
Alle Tiere sind weiblichen Geschlechts, die Fortpflanzung erfolgt durch unbefruchtete Keimzellen (wie bei Blattläusen). Die überwinternden Käfer kommen etwa im April aus ihren Verstecken und beginnen meist im Mai mit der Ablage ihrer 1 mm großen, kugeligen, gelblichen Eier an den Wurzelhälsen der Pflanzen. Etwa 2-3 Wochen später schlüpfen die Larven. Sie sind etwa 8-10 mm lang, sechsbeinig und haben eine braune Kopfkapsel. Sie liegen oft C-förmig gebogen im Boden. Die im Herbst ausgewachsenen Larven überwintern und verpuppen sich im März. Die Puppen sind ca. 10 mm lang und schmutzig-weiß gefärbt. Die jungen Käfer schlüpfen etwa Ende Mai/Anfang Juni und sind etwa einen Monat später geschlechtsreif.
Foto: Helga Meyer
Die Käfer werden 1,5 bis 3 Jahre alt und können in dieser Zeit bis zu 1000 Eier ablegen. Weil die Entwicklung der einzelnen Generationen überlappt, trifft man während der ganzen Vegetationszeit alle Entwicklungsstadien des Dickmaulrüsslers an.
Die ausgewachsenen Käfer halten sich tagsüber am Boden versteckt und klettern erst bei Einbruch der Dunkelheit an den Pflanzen hoch. Hier fressen sie meist U-förmige Kerben vom Blattrand her in die Blätter. Außer diesem sog. „Buchtenfraß“ sind aber auch Schäden an den Knospen zu beobachten. Auch ganze Triebe können welken, weil deren Rinde abgenagt ist (Eibe). Ernsthafter Schaden wird durch die Käfer aber nicht angerichtet, die Larven sind da deutlich gefährlicher. Diese fressen junge Wurzeln ab und benagen bei größeren Wurzeln die Außenhaut. Die Pflanzen können dadurch so geschwächt werden, dass sie absterben.
Besonders gefährdet sind Containerpflanzen und Topfblumen, in denen sich die Larven bereits in dem torfhaltigen Substrat befinden.
Foto: Rainer Hübenthal
Bekämpfungsmöglichkeiten
Käfer und Larven bevorzugen einen humosen, leicht sauren Boden, weshalb nicht mit Laub, Gehölzschnitt und ähnlich sauer reagierenden Substanzen gemulcht werden sollte. Die Käfer sollten nachts abgesammelt werden, die beste Zeit dazu sind Mai und Juni während der Eiablage. Welkende Pflanzen sollten rundum nach Larven abgesucht werden. Den Boden mit Rainfarn- oder Wermut-Tee gießen (dies auch vorbeugend). Topfpflanzen umtopfen und die Erde nach den Larven absuchen.
Die biologische Bekämpfung des Dickmaulrüsslers ist effektiver als die chemische. Die Chemie ist nicht wirksam genug (Prima!), um die Larven im Boden ausreichend zu bekämpfen. Wesentlich wirksamer ist der Einsatz von parasitären Nematoden (Fadenwürmer) der Gattung Heterorhabditis kraussei und Steinernema kraussei. Diese Methode wird auch im Erwerbsgartenbau mit zufriedenstellenden Resultaten angewandt. Bekämpfungsversuche zeigten im Freiland als auch im Gewächshaus sehr gute Ergebnisse mit einem Wirkungsgrad zwischen 80% und 100%. Die Heterorhabditis-Arten schnitten dabei aber deutlich besser ab, als die Steinernema-Arten.
Die Fadenwürmer dringen im Boden in die Larven und Puppen ein, die Käfer selbst bleiben unbehelligt. In deren Inneren geben sie in das Blut ein Bakterium ab, welches sich stark vermehrt und in wenigen Tagen zum Tod führt. Die infizierten Larven und Puppen verfärben sich dabei rötlich bzw. bräunlich. Die Nematoden vermehren sich, wandern aus dem toten Schädling ab und können nun weitere Larven/Puppen infizieren. So wird die Entwicklung neuer Käfer unterbunden. Vorrausetzung für diese biologische Bekämpfung ist eine konstante Bodenfeuchtigkeit und eine Bodentemperatur von mindestens 10°C. Zum Zeitpunkt der Ausbringung sollten auch tatsächlich Larven oder Puppen vorhanden sein, d.h., eine vorbeugende Maßnahme ist dies nicht!
Die Ausbringung kann im Gewächshaus ganzjährig erfolgen, im Freiland ist sie nur zwischen März und maximal Ende Oktober sinnvoll. Die Nematoden sollten möglichst unmittelbar nach Eintreffen ausgebracht werden. Für ein paar Tage kann man sie bei Temperaturen von 5°C aufbewahren. Die Nematoden sind lichtempfindlich, so dass die Ausbringung am Abend oder bei bedecktem Himmel erfolgen sollte. Um einen effektiven Erfolg zu haben, sind bei einer flächigen Verteilung 500 000 Nematoden/m² nötig.
Die Ausbringung kann mit einer Gießkanne erfolgen. Die Fadenwürmer werden in Kunststoffbeuteln, in Eimern auf Schaumstoff, in Gel oder auch in Eiswasser geliefert. Zunächst ermittelt man die benötigte Wassermenge für die zu behandelnde Fläche (Gebrauchsanweisung liegt aber auch bei). Dann füllt man einen Eimer mit ca. 1/3 dieser Wassermenge (Wassertemperatur nicht über 20°C). Hierin wird das „Trägermaterial“ also z.B. der Schaumstoff, eingeweicht. Nach etwa einer Stunde haben die Nematoden sich auf dem Boden abgesetzt. Der aufgelöste Schwamm wird abgesiebt und ausgepresst. Das Wasser mit den Nematoden wird nun in die Gießkanne (oder gleichmäßig verteilt auf mehrere Kannen) umgefüllt, und mit der noch fehlenden Wassermenge aufgefüllt. Regelmäßig umrühren oder schütteln, damit die Nematoden sich nicht am Boden absetzen. Zu beachten ist, dass die zu behandelnde Fläche gleichmäßig angefeuchtet ist. Da es sich bei der Ausbringung dieses „Nematoden-Gießwassers“ nicht vermeiden lässt, dass die auf dem Beet vorhandenen Pflanzen benässt werden, sollten diese nach der Behandlung gründlich abgespült werden, um die darauf haftenden Nematoden ebenfalls noch in den Boden zu bringen.
Für die nächsten 4-6 Wochen ist unbedingt darauf zu achten, dass der Boden nicht austrocknet, da die Maßnahme sonst sinnlos war.
Ich habe diese Bekämpfung bei einem Bekannten miterlebt, der anschließend das Problem Dickmaulrüssler vom Tisch hatte.
Autor: Ralf Quirbach
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