Zecken
Die lästigen Blutsauger sind wieder auf Futtersuche, die Schildzecke Ixodes ricinus, auch der „Gemeine Holzbock“ genannt.
Die Zecke muß im Laufe ihrer Entwicklung drei Blutmahlzeiten aufnehmen, jeweils als Larve, Nymphe und erwachsenes Tier. Nach jeder Mahlzeit wird der Wirt verlassen, das Blut verdaut und durch Entwicklung und Häutung das nächste Stadium erreicht.
Der Zeckenbefall ist in den Monaten April bis September besonders häufig, kann aber bei Temperaturen über 10°C zu allen Jahreszeiten erfolgen. Sie sind in der warmen Jahreszeit am Vormittag, am frühen Abend und nachts am aktivsten. Beliebte Aufenthaltsorte sind buschige Wald- und Wegränder, Laub- und Mischwälder, hier vor allem lichte Gehölze mit Unterwuchs, sowie Parkanlagen und Gärten mit Büschen und Sträuchern als Unterholz.
Wirtssuchende Zecken befinden sich je nach Entwicklungsstadium bis zu einer Höhe von 1-1,5 m an Gräsern, Farnen und niedrigen Zweigen, aber nie auf Bäumen.
Der Befall erfolgt beim erwachsenen Menschen deshalb meist auf Beinhöhe.
Zwei bedeutsame Infektionserreger werden in Mitteleuropa durch Zecken auf den Menschen übertragen. Während die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) virusbedingt ist, wird die Lyme-Borreliose (LB) durch ein Bakterium verursacht.
Gegen FSME gibt es einen Impfstoff, gegen LB ist ein solcher in Deutschland bisher noch nicht zugelassen (außer für Tiere).
Während FSME endemisch (örtlich begrenzt) auftritt, wird LB in ganz Deutschland von infizierten Zecken bis in Höhen von etwa 1000 m übertragen.
Als Reservoirtiere der Borrelien spielen hauptsächlich Nager und Insektenfresser eine Rolle, wie z.B. der Igel, aber auch Wild, Vögel und Haustiere kommen als Wirte in Betracht. Vögel spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung Borrelien-tragender Zecken über eine größere Entfernung.
Da auf nicht absehbare Zeit mit einem Impfstoff nicht zu rechnen ist, kommt der Vorbeugung eine äußerst wichtige Rolle zu.
Zunächst einmal sollte man die Flächen meiden, auf denen man mit Zecken rechnen kann (s.o.). Weiter sollten zum Schutz geschlossene Kleidung, z.B. Jeans, deren Beinenden in hohe Socken gesteckt werden, hohe Schuhe und Langarm-Hemden, bzw. Pullis getragen werden.
Möglichst helle Kleidung erleichtert das Absuchen auf Zecken. Bei Kindern sitzen diese nicht selten am Haaransatz. Bei längeren Haaren sind sie dort durch die überhängenden Strähnen verdeckt. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der ganze Körper sorgfältig abgesucht werden.
Die Stiftung Warentest hat in ihrem Aprilheft 2001 Abwehrmittel gegen Zecken getestet. 10 von 18 Mitteln erhielten die Note „mangelhaft“, davon zeigten 9 überhaupt keine Wirkung!
Bei einem als „gut“ eingestuften Mittel liegt die Wirkdauer unter drei Stunden (Toasis Zecken-Spray).
Bei einem weiteren als „gut“ eingestuften Mittel handelt es sich um einen Wirkstoff, der weder bei Kindern, noch bei sonnenbrandgeschädigter Haut eingesetzt werden darf (Autan Active Lotion).
Nur zwei Mittel arbeiten mit natürlichen Substanzen und erhielten das Test-Urteil „gut“:
Zansarin Bio-Hautschutz Lotion (nur in Apotheken) und Nexa Lotte natur Hautschutz-Milch. Die Wirksamkeit hält bis zu 6 Stunden an. Der Wirkstoff ist bei beiden Mitteln eine ätherische Kokosfettsäure. Trotzdem sollte man jedes Mittel zunächst auf einer kleinen Stelle am Körper für ein paar Tage testen, da auch natürliche Substanzen bei empfindlichen Menschen zu allergischen Reaktionen führen können.
Was ist nun aber zu tun, wenn doch eine Zecke gebissen hat?
Die Zecken bevorzugen die Körperstellen zwischen den Beinen, in den Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken und am Kopf (Haaransatz), die warm, feucht, gut durchblutet sind und dünne Hautpartien aufweisen.
In der Haut festsitzende Zecken sollten möglichst bald entfernt werden. Die Zeitdauer zwischen Biss und einer Infektion beträgt i.d.R. über 24 Stunden, so dass durch frühzeitige Entfernung die Infektion meist verhindert werden kann.
Die Entfernung sollte mechanisch mit Hilfe einer Pinzette erfolgen. Dazu wird die Pinzette dicht an die Haut angesetzt, um die mit Widerhaken und Zähnen versehenen Mundwerkzeuge der Zecken erfassen zu können. Die Zecke wird vorsichtig senkrecht nach oben gezogen, nicht! drehen – es existiert immer noch das abenteuerliche Ammenmärchen der Links- oder Rechtsdrehung. Das ist völliger Quatsch, schließlich haben die Tiere kein Gewinde!!!
Wichtig ist, das der Zeckenleib nicht gequetscht oder beschädigt wird, da dies die Infektion durch vorhandene Erreger fördern kann.
Früher – und manchmal heute noch – wurde geraten, die Zecken mit Öl, Klebstoff, Butter o.ä. zu ersticken.Auch dies ist grundverkehrt!. Die Zecke wird hierbei zur verstärkten Absonderung von erregerhaltigem Speichel animiert.!
Nach Möglichkeit sollten die Hände und die Bissstelle desinfiziert werden (z.B. Betaisadona). In der Haut verbleibende Mundwerkzeuge werden in wenigen Tagen „abgestoßen“. Geschieht dies nicht oder entzündet sich die Bissstelle, sollte der Arzt aufgesucht werden.
Treten Stunden oder Tage nach dem Biss leichtes Fieber, Unwohlsein, Schwäche, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder eine sich ausbreitende Rötung um den Zeckenbiss auf, unbedingt einen Arzt konsultieren.
Weitere, seltenere Symptome sind: Lymphknoten-Schwellungen, Gelenkentzündungen, (insbesondere Knie und Fuß), Nervenschmerzen, wechselnde Taubheit, Lähmungen (insbesondere Gesicht), Kribbelgefühle. In diesen Fällen sofort zum Arzt!
Unbehandelt treten nach Wochen oder Monaten bei ca. 15%25 der Erkrankten Lähmungen ganzer Nervengruppen, Hirnentzündungen, Arthritis, Herzmuskelentzündungen u.a. auf.
Im Zweifelsfall kann der Arzt mit einer einfachen Blutuntersuchung den Verdacht klären und evtl. schon mit einer Antibiotika-Therapie beginnen.
Mag sein, dass ich mit diesem Beitrag jetzt einige Ängste ausgelöst habe. Wichtig war mir aber eine Sensibilisierung für diese Thematik. Nicht jede Zecke ist gefährlich – aber Gefahr bringt ein zu sorgloses Vorgehen.
Autor: Ralf Quirbach
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Betreff: Re: Neu geboren: [FAQ] de.rec.garten
Von: Holger Issle
Gruppen: de.rec.garten
Datum: 04. Jul 2006, 06:39:55So abend kam eine interessante Sendung auf VOX dazu. Hier die Essenz: Borreliose läuft in Schüben. Der erste ist die Rötung, die als Fläche oder Ring um die Einstichstelle auftreten kann (aber nicht muß!). Die zweite sind dann die Grippeähnlichen Symptome (siehe oben). In diesen beiden Stadien kann mit Antibiotika behandelt werden, danach nicht mehr. Der dritte und alle weiteren Schübe sind dann die Lähmungen.Zecken können gegen ca. 25 Euro auf den Erreger untersucht werden. Etwa 50% aller Zecken sind Träger. Aber nur ser wenige geben den Erreger ab, denn das passiert erst nach 10-12 Stunden nach dem Biss.
Es gibt auch Schafszecken. Diese gehen nicht auf den Mensch und sind in von Schafen beweidetem Gras zu finden. Sie übertragen aber das Kuhfieber. Die Hinterlassenschaften (Eiter und Kot) der erkrankten Schafe sind hoch infektiös - in Esslingen haben sich an einer lebenden Grippe zu Weihnachten etwa 80 Leute angesteckt!
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